EL PALOMAR DE LA BREÑA

Das Taubenhaus “El Palomar de la Breña” enthält 7.770 Nisthöhlen auf ca. 400 m² Fläche und ist somit – dem Guiness-Buch der Rekorde zufolge – das grösste Taubenhaus der Welt.
Kurioserweise werden in einem Taubenhaus – wenn die Tauben immer dieselben Nisthöhlen nutzen und sich nicht irren – nur ca. zwei Drittel der vorhandenen Nistplätze genutzt. Dies erlaubt uns eine Schätzung der Population auf ca. 5.000 Nistpaare, also 10.000 erwachsene Tauben. Hierzu kommen noch die Jungtiere. Tauben zeichnen sich durch eine grosse Repoduktionsrate aus; jedes Elternpaar kann alle drei Wochen ein bis zwei Junge haben. So kamen die Bestände im Palomar de la Breña pro Monat jeweils auf ca. 15.000 Tiere (10.000 Elterntiere und 5.000 Junge).
Das wichtigste Produkt, das man bei einer derart intensiven Taubenhaltung erwirt¬schaftet, ist der Taubenmist („palomina“ genannt), der als das hochwertigste organische Düngemittel angesehen wird, er ist so konzentriert, dass man ihn mit Wasser oder anderem Dung vermischen muss, um die Kulturpflanzen nicht zu „verbrennen“.
Dank der Aufzeichnungen aus anderen Taubenhäusern, die sich gut dokumentiert bis in unsere Zeit erhalten haben, schätzen wir die Produktion an Taubenmist im Palomar de la Breña auf ca. 10 bis 15 Tonnen pro Jahr.
Zur Zeit, als der Palomar noch in vollem Betrieb war, kannte man noch keinen Kunstdünger, und man kann daher eine solche Anlage als „vorindustrielle“ Produktions¬stätte von Düngemitteln bezeichnen.
Das zweite Produkt, das man erwirtschaftete, war Fleisch. Mit ein bis zwei Jungen pro Nistpaar alle 3 Wochen, kam man auf die stattliche Anzahl von 80.000 bis 100.000 Tauben pro Jahr. Da vielerorts der Besitz eines Taubenhauses dem Adel oder den kirchlichen Würdenträgern vorbehalten war, markierte der Verzehr von Taubenfleisch die Zugehörigkeit zu einer privilegierten sozialen Schicht.
Doch musste eine derart beeindruckende Produktion auch noch anderen Zwecken als den bisher beschriebenen dienen. Die Antwort darauf kann man möglicherweise in den ausgiebigen Handelsreisen dieser Epoche finden, die ihren Ausgangspunkt im Hafen von Cadiz hatten. In der Tat gab es verschiedene Taubenhäuser von beträchtlichen Ausmassen – sehr nahe an der Küste gelegen, die den Reedereien gehörten und die dazu bestimmt waren, die Schiffsreisenden mit Frischfleich zu versorgen. In Ermangelung von Kühlmöglichkeiten auf den Schiffen war man hierzu auf lebende Tiere in Käfigen angewiesen. Im 18. Jahrhundert gab es zudem einen regen Schiffsverkehr von Cadiz aus in die Neue Welt, nach Amerika.
Ein weiteres Produkt, das in einem solchen Taubenhaus anfällt, und das von höchstem Interesse für die damaligen Streitkräfte war, ist Salpeter. Obwohl wir derzeit keinen konkreten Beweis für die Herstellung von Salpeter in diesem unserem Taubenhaus haben, wissen wir doch, dass der qualitativ beste Salpeter für die Produktion von Schwarzpulver für Kanonen und Pistolen auf natürliche Weise gewonnen wurde: aus den kleinen Kristallen, die sich bildeten, wenn an Orten mit hoher Feuchtigkeit organische Rückstände sich mit den Kalkmörtel der Wände verbanden. Salpeter ist der Bestandteil des Schwarzpulvers, der am schwierigsten zu gewinnen ist (Schwarzpulver = Schwefel + Holzkohle + Salpeter) – unzählige Alchimisten-Legenden künden davon...

Ein weiterer Parameter, den man aus der Zahl der Nisthöhlen des Taubenhauses ableiten kann, ist die landwirtschaftliche Produktionsfläche der Finca. Man rechnet einen halben Hektar pro Nistpaar, was eine erforderliche Grösse von 2.500 Hektar für 5.000 Paare ergibt. Diese Fläche war Eigentum der Finca oder auch einfach brachliegendes Buschland der Umgebung aufgrund der Piratengefahr an der Küste. Auf jeden Fall genossen die Tauben königlichen Schutz, der in einem könglichen Dekret verbrieft war.
Ausserdem wurde berechnet, dass ungefähr zehn Personen im Taubenhaus arbeiteten.


Warum gibt es heute hier keine Tauben mehr?
Haustauben nisten hier nicht, weil wir sie nicht züchten, diese Art von Tierzucht entsprach der Wirtschaftsform des 18. Jahrhundert.
Wilde Tauben aus dem Wald nisten sich nicht ein, weil im Taubenhaus derzeit etwa drei Falken-Brutpaare sowie einige Käuzchen und Schleiereulen beheimatet sind.

 

 





 

 

 

 

 


 
Pago de la Porquera, San Ambrosio. Apartado 69 - 11160 BARBATE (CÁDIZ) España - Tlf. 956 43 50 03
Diseño realizado por CEGINFOR